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Das Projekt

"Der Krieg ist in Wahrheit eine Krankheit, wo die Säfte, die zur Gesundheit und Erhaltung dienen, nur verwendet werden, um ein Fremdes, der Natur Ungemäßes, zu nähren."

~ Johann Wolfgang von Goethe


Sind Sie männlich, 85 und Deutscher, dann ist es wahrscheinlich dass Sie im Zweiten Weltkrieg gekämpft haben. Selbst wenn Sie über 65 Jahre alt sind, ist es sehr wahrscheinlich, dass Sie sich zumindest an Auswirkungen des Krieges erinnern, selbst wenn Sie damals noch Kind waren. Wenn man als Deutscher aufwächst, gibt es selbst heute kein Entrinnen vor der Erinnerung an diese fürchterliche Zeit in der Geschichte, als mehr als 70 Millionen Menschen starben.

Wir alle kennen die extremen Leiden, die durch die Deutschen während des Krieges hervorgerufen wurden. Der New Yorker Fotograf Carsten Fleck war verwundert, dass die deutschen Erinnerungen an den Krieg und das Leiden, das die Deutschen erfahren haben, Geschichten sind, die noch nicht erzählt worden sind, und dass gerade noch genug Zeit verbleibt sie zu erzählen. Zum Ende des Jahres 2009 trat er eine projektspezifische Reise an, die ihn nach Deutschland zurückführte, um Männer und Frauen (zwischen 75 und 95) zu fotografieren und zu interviewen, die Soldaten, Gefangene, Flüchtlinge, Opfer der Verhältnisse oder ganz normale Leute gewesen waren, die in den Krieg verwickelt waren, die zurücksahen und ihm ihre Geschichten erzählten.

"Fast alle Leute, die ich interviewt und fotografiert habe, lebten in Berlin, zwei von ihnen lebten in Nürnberg. Ich habe sie fast ausschließlich durch eine gemeinnützige Gesellschaft, die Zeitzeugenbörse genannt wird, gefunden, die Menschen vermittelt, die den Krieg erlebt haben. Die Interviews und Fotografien wurden von Dezember 2009 bis Ende Januar 2010 erstellt.

Fleck wurde 1970 in Nürnberg geboren, einem Ort von besonderer Wichtigkeit innerhalb des Naziregimes. Nürnberg war der Ort, an dem Hitler seine gespenstischen Versammlungen abhielt, die Stadt erlitt fürchterliche alliierte Bombenangriffe, und am Ende des Krieges war es der Ort, an dem die Kriegsverbrecher-Prozesse abgehalten wurden. Aufgewachsen bei Großeltern, die beide Weltkriege durchlebt hatten, mit einem Großvater, der ein Mitglied der Waffen-SS gewesen war, fühlte Fleck den Schatten des Krieges noch 25 Jahre, nachdem der Krieg vorbei war. "Er war ein wunderbarer Großvater, aber ich konnte auch sehen, dass es sehr schwer für ihn war zu akzeptieren, dass er für die falsche Sache gekämpft hatte, da er die besten Jahre seines Lebens im Krieg und später als Kriegsgefangener verbracht hatte.

"Der Schatten des Krieges war noch deutlicher in meinen Eltern zu sehen-in meinem Vater im Besonderen-er hat oft über die Bombardierungen und die Nahrungsknappheit gesprochen. Das hat ihn zutiefst beeinflusst. Krieg endet nicht, wenn der letzte Schuss gefallen ist: Ich kann sehen, wie die Erfahrungen -was auch immer sie waren-zurückbleiben und wie leicht sie der nächsten Generation weitergegeben werden können. Für ein kleines Kind ist es ein unvergessliches Erlebnis, die Angst seiner Eltern, eine sehr tiefe Angst, zu beobachten."

Die Geschichten, die Fleck aufdeckte, sind so unterschiedlich wie die Menschen, die er traf. Hier sind einige:

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  • Ein Kommunist, der in Moskau lebte, als Deutschland die Sowjetunion angriff, erzählt, wie er vom KGB verhaftet wurde und dann für mehr als 10 Jahre nach Sibirien geschickt wurde, weil er Deutscher war.


  • Der jüdische Vater einer Frau war ein Kriegsheld in der deutschen Armee im Ersten Weltkrieg. Er hatte Hitler gewählt, aber hat dann versucht sich umzubringen, als er herausfand, dass er kurz davor stand, in ein Konzentrationslager geschickt zu werden.


  • Ein Mann, der sich geschworen hatte nie erwachsen zu werden, da das unweigerlich bedeuten würde, dass er ein Soldat werden würde, was nur drei Dinge bedeuten könnte: Dass er sterben würde, dass er verwundet werden würde, oder als Kriegsgefangener leiden müsste.


  • Eine Frau, die nur fünf Jahre alt war als ihre Mutter dafür hingerichtet wurde, ein Mitglied der Roten Kapelle zu sein.


  • Ein Mann, der sich an einem Bahnhof aufhielt, als dieser bombardiert wurde, erinnert sich an einen Wagon voller Pferde, der während des Angriffs getroffen wurde. Die Pferde rannten in Panik herum und rissen sich an den verbogenen Metallteilen die Flanken auf. An diesem Tag hörte er auf an Gott zu glauben.


  • Die Mutter einer Frau, sie erhielt eine Porzellanservice als ein Geschenk von ihrer jüdischen Nachbarin, die angab, dass ihr Mann ihr ein neues zum Hochzeitstag kaufen würde, findet einige Tage später heraus, dass ihre Nachbarn ihren gesamten Besitz weggegeben und sich dann umgebracht hatten, um zu vermeiden, in ein Konzentrationslager gebracht zu werden.


  • Ein Mann, der als Schreibkraft an der Enigma -Schlüsselmaschine in einem Bunker, der als Kommandozentrale für die Westfront diente, stationiert war, erinnert sich daran, die
  • Nachricht an die Deutschen Truppen geschrieben zu haben, die sie wissen ließ, dass die Alliierten gelandet waren.
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Flecks Farbfotografien sind packende und rührende Porträts dieser Männer und Frauen. Die Interviews wurden am selben Tag aufgenommen, an dem die jeweilige Person fotografiert wurde und in allen Fällen bei ihnen zu Hause. Das ermöglichte es Einigen, spontan ihre persönlichen Requisiten bereitzustellen und damit einen speziellen Teil ihrer Erinnerung wiederzuerzählen. Alle Portraits wurden mit Tageslicht fotografiert. Das war wichtig für Fleck, um sicherzugehen, dass seine Subjekte sich gelöst fühlten und nicht von dem normalen Prozess der Porträtfotografie eingeschüchtert wurden.

In den Interviews lässt Fleck seine Subjekte ihre Geschichte ohne Unterbrechung erzählen, aber stellt ihnen immer die gleichen zwei Fragen: "Was bedeutet Krieg für Sie?" und "Welchen Rat, wenn Sie einen haben, würden Sie zukünftigen Generationen geben, um sicherzugehen, dass sich die Geschichte nicht wiederholt?". Die Antwort in fast allen Fällen war, dass Krieg unter allen Umständen vermieden werden muss, und wie wichtig es ist, selbstsüchtige Führer zu erkennen und ihnen nicht zu vertrauen.

THE PROJECT


"War is in truth a disease in which the juices that serve health and maintenance are used for the sole purpose of nourishing something foreign, something at odds with nature."

~ Johann Wolfgang von Goethe



If you're male, 85 and German then the chances are that you fought in WWII. Even if you're just over 65 then there's the likelihood that you will remember something about the war, or at least have experienced some of its after effects even though you were just a child, Growing up German, even today, there's no escaping the memory of that terrible period in history when over 70 million people were killed.

We're all familiar with the stories of extraordinary suffering at the hands of the Germans during the war. New York-based photographer, Carsten Fleck was struck at how German memories of the war and the suffering that Germans experienced were still stories that hadn't been told, and there was just enough time to tell them. At the end of 2009 he made a special trip back to Germany to photograph and interview men and women (75-95) who had been soldiers, prisoners, refugees, victims, or just ordinary people caught up in the war who now looked back and told him their stories.

"Almost all the people I interviewed and shot lived in Berlin, and two lived in Nuremberg. I found them mostly through a not-for-profit agency called Zeitzeugenboerse ( ) that had a list of people who had lived though the war. The interviews and photographs were made from December 2009 through to the end of January 2010."

Fleck was born in 1970 in the German city of Nuremberg, a place that had particular significant to the Nazi regime. Nuremberg was where Hitler held his ghastly rallies, the city had suffered terrible Allied bombings, and, at the end of the war, it was the site of the famous trials. Raised by grandparents who had lived through both World Wars, with a grandfather who had been a member of the Waffen-SS, Fleck felt in the shadow of war even twenty five years after war had ended. "He was a wonderful grandfather, but I could see that it was also very hard for him to accept that he had fought for the wrong cause having spent the best years of his life at war and later as a prisoner of war."

"If I felt the shadow of war it was even more vivid to my parents - my father especially - he often talked about the bombing raids and the scarcity of food. He was deeply affected by it all. War does not end when the last shot is fired: I could see how the experiences lingered - whatever these were - and how easily they could be passed on to the next generation. For a small child to witness their parents' fear - fear at a very deep level - is a haunting experience."

The stories Fleck uncovered were as different as the people he met - here are some:

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  • A communist living in Moscow when Germany declared war on Russia tells how he was arrested by the KGB and then sent to the gulag in Siberia for more then 10 years, just for being German.


  • The father of a woman who was half Jewish was also a war hero in the German army during the First World War, he had voted for Hitler during the election, but then tried to commit suicide when he found out that he was about to be sent to a concentration camp.


  • A man who vowed he never wanted to grow up because that meant he would inevitably become a soldier which could only mean three things: he would die, he would be wounded or he would become a prisoner of war.


  • Only five years old at the time, a woman remembers her mother being executed for being a member of the Red Chapel resistance movement.


  • A man at a railway station while it was bombed recalls a carriage full of horses which was hit in the raid and the horses ran around in panic amid the wreckage, ripping deep wounds in their flanks. He says he stopped believing in God that day.


  • A woman, whose mother received a set of china from her Jewish neighbor as a gift claiming her husband had bought her a new set for their anniversary, discovered only days later that the neighbors had given away all their belongings and then committed suicide rather than being sent to a concentration camp.


  • A man who was a typist working on the Enigma encoding machine in a bunker at the command center for the Western front remembers typing the message that was sent out to the German troops telling them that the Allied forces would soon land in France.
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Fleck's color photographs are haunting and poignant portraits of these men and women. The interviews were made at the same time that the sitters had their pictures taken, and, in all cases, in the subjects' homes. This enabled some sitters to spontaneously provide their own props that were, in each case, a special part of the memory they were recounting. All the portraits were shot using daylight which was important to Fleck to ensure his subjects felt relaxed and not intimidated by the usual process of portraiture.

In the interviews Fleck let his subjects tell their stories without interruption, but he always asked his subjects the same two questions "What does war mean to you?", and "What advice, if any, do you have for future generations to ensure this never happens again?". The answers, unanimous in most cases, were that war has to be avoided at all costs, and to recognize and mistrust all self-serving leaders.